Stadtgeschichte

Isny ist eine Stadt mit tausendjähriger Geschichte. Bis heute zeugen Türme und Stadtmauer von  reichsstädtischer Bedeutung und frühem Wohlstand. Doch es gab auch Tiefschläge und Niederlagen.

Vom Markt zur Stadt

1042 stiftete Graf von Altshausen-Veringen zu Ehren der Heiligen Jakobus d.Ä. und Georg eine Kirche. Ein Nachfahre übergab diese Kirche gut 50 Jahre später den Hirsauer Benediktinermönchen nebst weiterem Besitz zur Gründung eines Klosters. In dieser Urkunde von 1096 wird Isny erstmals als „in villa Ysininensi“ erwähnt.

Um das Kloster herum entstand eine Marktsiedlung unter Herrschaft des Grafen. Sie erhielt 1281 auf Betreiben Heinrichs von Isny, einem engen Vertrauten König Rudolfs von Habsburg, das Lindauer Stadtrecht. Nachdem die Grafen von Veringen die Vogtrechte über Stadt und Kloster an die Truchsessen von Waldburg veräußert hatten, kauften sich die Isnyer 1365 für 9000 Pfund Heller frei und gaben sich 1381 eine Zunftverfassung.

Antipoden: Stadt und Kloster

Mit dem Kloster blieb die Stadt allerdings räumlich eng verbunden, was in den folgenden Jahrhunderten zu manchen Zwistigkeiten und Kuriositäten führte. Zum Kloster gehörten beispielsweise Teile des Flüsschens Ach samt ihrer Zuflüsse, zwei Mühlen in der Stadt sowie die ländliche und von Handwerkern geprägte Siedlung auf der „Viehweid“, die Anfang des 19. Jahrhunderts zur eigenständigen Kommune: „Isny-Vorstadt“ wurde. Erst 1911 schloss sich die Vorstadt Isny mit der Stadt Isny zusammen. In der Stadt stehen die evangelische Nikolaikirche und die katholische St.Georgs-Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft. St. Georg war Klosterkirche und blieb katholisch, St. Nikolai, vom Klosterabt als einfache Marktkirche erbaut, wurde im Zuge der Reformation mit der Stadt protestantisch.

Wohlstand durch Handel

Mit Herstellung und Handel von Leinwand gelangten die Isnyer Bürger seit dem 13. Jahrhundert zu Wohlstand. Sie waren an der Ravensburger Handelsgesellschaft beteiligt und  pflegten Kontakte in alle Länder Europas und bis nach Südamerika.  1507 erhielt Isny das Münzrecht – nach Konstanz als erste oberschwäbische Stadt – und durfte Heller, Pfennige, Batzen, Kreuzer, Drittel-Güldiner und Taler prägen. 

Fruchtbarer Boden für die Reformation

Im 15. Jahrhundert hatte Domherr Hans Guldin eine Predigerstelle in St. Nikolai gestiftet. Im Anschluss daran entstand im Turm der Nikolaikirche die bis heute erhaltene Prediger-Bibliothek mit etwa 1800 Schriften, darunter 70 Handschriften, 171 Wiegendrucke und Schriften von Luther, Melanchthon und Zwingli.

Schnell fanden die Gedanken der Reformation unter den Isnyer Bürgern Verbreitung, zumal man sich mit dem Kloster immer wieder uneins war. Isny trat 1531 dem Schmalkaldischen Bund, dem Bündnis protestantischer  Reichsstände, bei. Paul Fagius,  Lateinlehrer und Pfarrer in Isny, errichtete in der Stadt eine Druckerei, in der er auch hebräische und chaldäische Werke druckte. Fagius ging später als Professor nach Straßburg.

Extra und intra muros

Trotz des „Sturms“ auf die Bilder in der Klosterkirche 1534  blieb das Kloster katholisch. Damit erhielten die Antipoden Stadt und Kloster neuen Konfliktstoff. Katholiken mussten beim Leichenzug zum Friedhof quer durch die protestantische Stadt. Noch Mitte des 18. Jahrhunderts konnte sich ein bizarrer Streit darüber entwickeln, ob sie dabei ihre Leichenfahne mitführen dürften oder nicht. Der westfälische Friede hatte 1648 für eine klare Trennung gesorgt: Protestanten „intra muros“,  Katholiken  „extra muros“. Das änderte sich erst nach 1806, als Isny Württemberg zugeschlagen wurde und Katholiken in die Stadt ziehen durften.

Verheerender Brand

Viel schlimmer als  30-jähriger Krieg und  Pest traf eine andere Katastrophe die Stadt: Ein Brand im Herbst 1631. Nachdem der Magd eines Bäckers das Feuer im Ofen außer Kontrolle geraten war, brannten 315 von 379 Bürgerhäusern, das Rathaus, Tore und Wehranlagen, die Pfarrkirche und das Kloster ab.  Die Zahl der Einwohner war noch viele Jahre später deutlich geringer als vor dem Brand.

Der Leinwandhandel hatte schon seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachgelassen. Spuren von Feuersbrunst und wirtschaftlichem Einbruch sind bis heute zu erkennen. In der Wassertorstraße wurden anstelle der stolzen Patrizierhäuser sehr viel bescheidenere Gebäude errichtet. Zwischen einer Boutique und einer Buchhandlung gibt es ein kleines Gärtchen. Es ist eine Brandlücke aus damaliger Zeit. 

Vorerst abgeschnitten

Seit dem 17. Jahrhundert war die Stadt verschuldet. Doch konnten sich bis um 1800  namhafte und weithin bekannte Fabriken entwickeln: eine Nadelfarbik, eine Seidenweberei und eine Textilfabrik.  Wirtschaftlich befand sich Isny an der Spitze der Entwicklung in der Region. Doch der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 nahm der Stadt die Freiheit und schlug sie samt Kloster den Grafen Quadt-Wykradt  zu. Drei Jahre später kam Isny unter württembergische Landeshoheit.

Nun am äußersten Zipfel des Landes und an der Grenze zu Bayern gelegen, waren die traditionellen Handelswege abgeschnitten. Der Salzhandel mit Österreich und der Schweiz ging verloren, Einnahmen für die Durchfuhr von Gütern fehlten. Die Nadelfabrik musste wenige Jahre später Konkurs anmelden. Vergeblich versuchten die Isnyer,  dem Königreich Bayern zugeschlagen zu werden.

Entspannung brachte schließlich die Gründung des Zollvereins Bayern-Württemberg. Zwei Stadtbrände in den Jahren 1864 und 1866 hemmten den Aufstieg erneut. Schon früh setzte sich ein Eisenbahn-Komitee für einen Anschluss an eine Eisenbahnlinie ein. Es sollte allerdings bis 1874 dauern, bis er  endlich kam.

Frühe Anfänge des Tourismus

Handel und Gewerbe bildeten stets das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt.  Doch schon 1876 wurde ein Verschönerungsverein gegründet, der Wege zum Schwarzen Grat anlegte, einen Aussichtsturm errichtete  und Wegweiser aufstellte. 1898 ging daraus der „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs“ hervor. Bis zum Ersten Weltkrieg  konnte Isny immer mehr Touristen anlocken und 1924 wurde hier die erste Deutsche Nordische Skimeisterschaft ausgetragen.

Modern und geschichtsbewusst

Das 20. Jahrhundert brachte mit Elektrizität und Motorisierung neuen Aufschwung, der durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde. Vom Zweiten Weltkrieg blieb das Äußere der Stadt weitgehend verschont. Danach ist Isny stark gewachsen.

Das Gesicht der Stadt hat moderne Züge angenommen – und den historischen Kern doch bewahrt. Die Ortschaften Beuren, Großholzleute, Neutrauchburg und Rohrdorf gehören seit der Gemeindereform zur Stadt. Neue Firmen siedelten sich an, es entstanden Gewerbegebiete an der Peripherie und ruhige Wohngebiete für die Menschen. Tourismus hat sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt und Isny weithin bekannt gemacht.

Zeittafel

Die wichtigsten geschichtlichen Daten der Stadt Isny im Allgäu im Überblick

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Broschüre 650 Jahre Freie Reichsstadt

Die Stadt feierte 2015 das Jubiläumsjahr 650 Jahre Freie Reichsstadt. Die Broschüre mit dem Festvortrag erhalten Sie im Rathaus Foyer und im Büro für Tourismus

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Jubiläumsmünze 650 Jahre Freie Reichsstadt

Die limitierte Münze ist für 49 EUR erhältlich im Rathaus, im Büro für Tourismus und im Museum am Mühlturm

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Ausstellung

500 Jahre Reformation - bitte persönlich: Das Museum am Mühlturm stellt Menschen aus der Zeit der Reformation in Isny in den Fokus.

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