Archäologische Grabungen in der "Südlichen Altstadt"

In der Hofstatt, zwischen Diebsturm und Marktplatz, bekommt die Stadt ein neues Gesicht. Über den ältesten Besiedelungspuren der Stadt ist ein neues Viertel, für Wohnungen und Dienstleistung im entstehen. Bevor hier bebaut wurde, waren die Archäologen am Zug. Sie legten ein Stück Stadtgeschichte in Form von Resten der Bebauung frei, mit alten Stein- und Ziegelmauern, mit Straßenpflasterung aus Fluss- und Backsteinen und erkennbaren Grundrissen. Alles aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand 1631. Selbst die Standorte von Webstühlen ließen sich im Untergrund finden. Die Archäologen fanden aber auch eine erstaunliche Zahl an Glasgefäßen, teils sogar noch gänzlich erhalten. Zwei Holzstücke sind eindeutig zu datieren: eines ist aus dem Jahr 1319, das andere aus dem Jahr 1430.

Der zweite große Bereich der Grabungen war das Areal hinter dem Hallgebäude. Hier wurde der Schutt, der nach dem Stadtbrand 1631 abgelagert wurde, abgetragen und ältere Strukturen freigelegt. In diesem Bereich sind nur geringe Flächen durch moderne Keller gestört . Der Brandschutt lag sozusagen unberührt und schützte tiefere, ältere Bodenhorizonte, die Aufschluss über Lebens- und Wirtschaftsformen im Mittelalter gaben.

Stadt Isny im Allgäu
Fachbereich
Immobilien und Wirtschaft
Claus Fehr
Wassertorstraße 1-3
88316 Isny im Allgäu
Tel. 07562 984-121
Fax 07562 984-197
claus.fehr@isny.de

Seit Frühjahr 2018 wurde auf dem Marktplatz gegraben, bevor dieser neu gestaltet wird. Das Gefundene bestätigt weitgehend das, was die Isnyer Heimatforscher den Archiven entnommen haben. Stattliche Mauern und Fundamente, Flussstein-Pflasterungen und Innenraum-Pflasterungen sind zum Vorschein gekommen. Außerdem sind Brandspuren sichtbar, die sich dem großen Stadtbrand von 1631 aber auch früheren Stadtbränden aus dem 13. und 14. Jahrhundert zuordnen lassen.

An den Blaserturm schließen zwei mächtige, übereinanderliegende Fundamente an. Die unteren Fundamente gehören offensichtlich zum burgähnlichen gräflichen Amtshaus des Ulrich von Montfort aus dem 13. Jahrhundert. Auf dessen Fundamenten wurde 1513 das Renaissance-Rathaus errichtet, das dem Stadtbrand von 1631 zum Opfer fiel.

Ein besonderes Fundstück ist der Prangerstein. Er wurde an der Ecke der Fundamente des gräflichen Amtshauses ausgegraben und wurde wohl ab Ende des 13. Jahrhunderts genutzt. Bei geringeren Vergehen mussten die Delinquenten darauf stehen und, angekettet mit einem Halseisen, den Spott der Mitmenschen ertragen.

Ausgegraben wurden auch die Grundmauern des Zollhauses aus dem 18. Jahrhundert.

Die Grabungen auf dem Marktplatz sind beendet und wurden verfüllt. Damit entsteht auf dem Marktplatz wieder eine weitere Fahrspur.

Die nächsten Grabungen sind im Hallgebäude, dort wo die Teilunterkellerung vorgesehen ist.